Neuweltkameliden im Fokus: Probleme erkennen, Risiken minimieren

Die Zahl der Alpakas und Lamas in Österreich wächst – und mit ihr der Bedarf an fundierter Diagnostik. Das Labor des OÖ TGD bietet seit über 20 Jahren zuverlässige parasitologische und molekularbiologische Untersuchungen und unterstützt Tierärzte:innen und Halter:innen aktiv beim Gesundheitsmanagement ihrer Tiere. Von präzisen Kotanalysen, Wirksamkeitsüberprüfung mittels Eizahlreduktionstest bis zur PCR auf Mycoplasma haemolamae: Moderne Diagnostik hilft, Erkrankungen früh zu erkennen, Resistenzen vorzubeugen und Bestände in tiermedizinischer Hinsicht gut zu betreuen.

Zu den wichtigsten Untersuchungen zählen parasitologische Kotanalysen sowie die Untersuchung auf Mycoplasma haemolamae, ein spezifischer Erreger der Neuweltkameliden.

Parasitologische Untersuchungen

Endoparasiten sind bei Neuweltkameliden (Alpakas, Lamas) ein großes Thema. Viele Halter entwurmen ihre Tiere routinemäßig ohne vorherige Kotuntersuchung – das ist problematisch, da so resistente Parasiten entstehen und die Umwelt belastet wird. Besser ist ein betriebsspezifisches Parasitenmanagement mit regelmäßiger Untersuchung von Kotproben zu etablieren.

Kotproben richtig entnehmen:

Nur frischen oder rektal entnommenen Kot verwenden, keine Probe von Kotplätzen. Bei kleinen Beständen Einzeltierproben, bei größeren Sammelproben (max. 5 Tiere). Bei Verdacht auf den kleinen Leberegel keine Sammelprobe verwenden.

 

Untersuchung im Labor: 

  • Flotation (McMaster-Verfahren): Nachweis kleiner Wurmeier von Kokzidien, inklusive Eimeria macusaniensis und Magen-Darm-Strongyliden (Haemonchus contortus, Nematodirus und Trichuris). Angabe der Eizahl pro Gramm Kot.  
  • Sedimentation: Nachweis von Eiern des kleinen und großen Leberegels
  • Auswanderungsverfahren: Nachweis von Lungenwürmern

Die Ergebnisse sollten immer gemeinsam mit dem Tierarzt bewertet werden, da Laborbefunde allein keine Entwurmungsentscheidung ersetzen.

Für das Parasitenmanagement sind neben den Kotuntersuchungen folgende Maßnahmen entscheidend:

  • Stall- und Weidehygiene: Entfernung von Kot – Neuweltkameliden legen Kotplätze an

  • Körperkonditionsbeurteilung

 

Eizahlreduktionstest (FECRT)

Neben zunehmenden Antibiotikaresistenzen werden auch Resistenzen gegenüber Anthelminthika bei Wiederkäuern immer häufiger beobachtet. Besonders Haemonchus contortus weist ein breites Resistenzspektrum, z. B. gegen Benzimidazole, auf.

Um Resistenzen frühzeitig zu erkennen und eine gezielte Therapie zu ermöglichen, empfiehlt die ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) neben einer selektiven Entwurmung den Eizahlreduktionstest (FECRT).

Mit diesem Test kann der Behandlungserfolg eines Anthelminthikums überprüft werden:

Die Wurmeierzahl wird vor und 14 Tage nach der Behandlung bestimmt.
Eine Eizahlreduktion von mindestens 95 % gilt als Hinweis auf eine wirksame Therapie.

 

Mykoplasmen-Management

Mycoplasma haemolamae ist ein auf den roten Blutkörperchen parasitierendes Bakterium, das bei Neuweltkameliden eine Immunsuppression verursachen kann. Ein akutes klinisches Krankheitsbild tritt meist in Verbindung mit anderen Erkrankungen oder Stresssituationen auf und äußert sich in Form von Anämie, Abmagerung, Dehydratation und im Extremfall kann es zu Todesfällen kommen.

In Österreich liegt die Prävalenz bei 25,8 % (Franz et al., 2016) – ein vergleichsweise hoher Wert. Besonders häufig sind Alpakas unter zwei Jahren betroffen.
Infizierte Tiere fungieren als Erregerreservoir und spielen daher eine wichtige Rolle bei der Weiterverbreitung. Die Übertragung erfolgt über blutsaugende Insekten und direkt über Blutkontakt von infizierten Tieren (Franz und Wittek 2015). 

Das Wissen um den Erreger, die rechtzeitige Diagnostik und das frühzeitige Erkennen von Symptomen sind entscheidend für eine erfolgreiche Bestandsbetreuung.

Im Labor des OÖ TGD wird die PCR-Untersuchung auf M. haemolamae aus Blutproben angeboten.

(Probeneinsendung - Bitte verwenden Sie unser Formular.)

Das aktuelle Untersuchungsangebot sowie die damit eventuell anfallenden Kosten (Euro/Netto) finden Sie in unserem Untersuchungsangebot für Neuweltkamelide.

Alpakas (Quelle: Oö. TGD)
  • Österreichische Tierärztekammer, Landesstelle OÖ
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